Der Spread ist einer der häufigsten, aber am wenigsten diskutierten Kostenfaktoren im Trading. Anders als eine ausgewiesene Kommission erscheint er nicht als separater Posten auf dem Kontoauszug. Er ist direkt im Ausführungspreis jedes Trades enthalten. Zu verstehen, was ein Spread ist, wie er sich zusammensetzt und wie er die Ergebnisse beeinflusst, ist ein wesentlicher Bestandteil der technischen Vorbereitung für jeden, der ernsthaft tradet.
Was sind Geld- und Briefkurse, und wie entstehen Spreads?
Um den Spread zu verstehen, ist es notwendig, zwei vorhergehende Konzepte zu verstehen: Geldkurs und Briefkurs.
Das Gebot ist der Höchstpreis, den ein Käufer zu einem bestimmten Zeitpunkt für einen Vermögenswert zu zahlen bereit ist. Es stellt das beste Kaufangebot auf dem Markt dar. Der Briefkurs hingegen ist der Mindestpreis, den ein Verkäufer für den Verkauf des Vermögenswerts akzeptiert. Er stellt das beste verfügbare Verkaufsangebot dar.
Diese beiden Preise existieren in jedem liquiden Markt gleichzeitig. Der Spread ist daher die Differenz zwischen ihnen. Die Formel ist einfach:
Spread = Ask - Bid
Beim Kauf eines Vermögenswerts zahlt ein Händler den Briefkurs. Beim Verkauf erhält er den Geldkurs. Die Differenz zwischen beiden Kursen stellt die impliziten Kosten jeder Transaktion dar, unabhängig von etwaigen von der Plattform ausgewiesenen Gebühren.
Ein praktisches Beispiel: Liegt der Geldkurs (Bid) für Bitcoin bei 99.000 $ und der Briefkurs (Ask) bei 99.100 $, beträgt die Spanne 100 $. Wer also sofort kauft und verkauft, erhält am Ende 100 $ weniger pro Einheit. Die Spanne wurde bereits beim Einstieg bezahlt.
Fester Spread und variabler Spread: Worin liegt der Unterschied?
Es gibt zwei Hauptmodelle für Spreads auf den Finanzmärkten: feste und variable Spreads.
Der feste Spread bleibt unabhängig von den Marktbedingungen konstant. Die Plattform definiert die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs im Voraus und hält diesen Wert auch in Phasen hoher Volatilität oder geringer Liquidität stabil. Dieses Modell bietet Vorhersagbarkeit. Der Trader weiß vor der Ausführung genau, wie viel jeder Trade kosten wird.
Der variable Spread wiederum schwankt je nach Marktlage. Er verringert sich in Phasen hoher Liquidität und vergrößert sich in Phasen hoher Volatilität oder geringer Marktteilnahme. Unter normalen Marktbedingungen sind variable Spreads jedoch tendenziell kleiner als fixe Spreads, da sie den Wettbewerb zwischen Käufern und Verkäufern direkt widerspiegeln.
Transparente Plattformen zeigen den Spread in Echtzeit an. Trader können die Schwankungen beobachten und ihre Einstiege entsprechend den aktuellen Marktbedingungen anpassen. Plattformen, die den Spread künstlich ausweiten, ohne dies an die realen Marktbedingungen anzupassen, erhöhen faktisch die Kosten der Trader auf nicht deklarierte Weise.
Wie sich der Spread auf Daytrader und Scalper auswirkt.
Die Auswirkungen des Spreads variieren je nach Handelsstil. Für langfristig orientierte Anleger, die Positionen über Wochen oder Monate halten, macht der Spread nur einen minimalen Anteil der gesamten Kursbewegung aus. Für Daytrader und Scalper sieht die Situation völlig anders aus.
Scalper arbeiten mit kleinen Gewinnzielen. Der Spread kann einen erheblichen Teil, manchmal sogar den Großteil des erwarteten Gewinns pro Trade ausmachen. Ein Spread von 3 Pips bei einem Kursziel von 10 Pips bedeutet beispielsweise, dass 30 % des potenziellen Gewinns bereits aufgebraucht sind, bevor sich der Kurs überhaupt in die erwartete Richtung bewegt.
Für Daytrader, die Dutzende von Transaktionen pro Monat durchführen, stellt der kumulierte Spread reale Kosten dar, die in die Berechnung des erwarteten Gewinns der Strategie einbezogen werden müssen. Ignoriert man diesen Wert, arbeitet man mit einem unvollständigen Überblick über die Gesamtkosten. Folglich können Strategien, die auf dem Papier profitabel erscheinen, in der Praxis unrentabel werden, sobald der tatsächliche Spread berücksichtigt wird.
Spread und Liquidität: der direkte Zusammenhang
Die Höhe des Spreads ist einer der besten Indikatoren für die Liquidität eines Vermögenswerts. Dieser Zusammenhang ist direkt und in allen Märkten konsistent.
Bei liquiden Vermögenswerten wie den wichtigsten Währungspaaren EUR/USD und GBP/USD sind die Spreads eng. Das hohe Handelsvolumen von Käufern und Verkäufern hält die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs gering. In diesen Märkten sind die Ausführungskosten niedrig und die Ausführung erfolgt schnell.
Vermögenswerte mit geringer Liquidität, wie beispielsweise Altcoins oder Aktien kleiner Unternehmen, weisen hohe Spreads auf. In diesem Moment sind nur wenige Marktteilnehmer bereit zu kaufen oder zu verkaufen. Folglich ist die Differenz zwischen dem besten Geldkurs und dem besten Briefkurs größer. Die Kosten für den Ein- und Ausstieg aus einer Position in diesen Vermögenswerten sind daher höher.
Darüber hinaus variiert der Spread im Tagesverlauf, selbst bei liquiden Vermögenswerten. Im Devisenhandel ist der Spread tendenziell geringer während der Überschneidung der Londoner und New Yorker Handelssitzungen, wenn das globale Handelsvolumen seinen Höhepunkt erreicht. Außerhalb dieser Zeitfenster, insbesondere in den frühen Morgenstunden brasilianischer Zeit, weitet sich der Spread aus, da weniger Marktteilnehmer aktiv sind.
Wie sich der Spread bei Ereignissen mit hoher Volatilität verhält
Bei Ereignissen mit hoher Volatilität, wie beispielsweise der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten (NFP), Entscheidungen der US-Notenbank (Fed) oder unerwarteten geopolitischen Krisen, weitet sich der Spread deutlich aus. Dies geschieht, weil Liquiditätsanbieter die Marge zwischen Geld- und Briefkurs erhöhen, um das zusätzliche Risiko auszugleichen, das mit dem Halten von Positionen in einem sich schnell verändernden Preisumfeld einhergeht.
Für Händler hat diese Ausweitung der Spreads praktische Konsequenzen. Bei einem Trade, der während einer Fed-Ankündigung ausgeführt wird, kann sich der Spread im Vergleich zum Normalbetrieb vervielfachen, was die Einstiegskosten erheblich erhöht. Gleichzeitig können Stop-Loss-Orders leichter ausgelöst werden, da der Geld- oder Briefkurs das Stop-Loss-Niveau erreicht, noch bevor der Durchschnittskurs es erreicht.
Aus diesem Grund verzichten viele erfahrene Händler darauf, in den ersten Minuten nach wichtigen Ankündigungen Positionen zu eröffnen. Sie warten ab, bis sich der Markt stabilisiert, der Spread sich normalisiert und die Liquidität zurückkehrt, bevor sie neue Positionen eröffnen.
Spread, Slippage und Kommission: Wie man die drei Kostenarten unterscheidet.
Die drei Hauptkosten einer Transaktion – Spread, Slippage und Kommission – werden oft verwechselt. Sie haben jedoch unterschiedliche Ursachen und Verhaltensweisen.
Der Spread stellt die strukturellen Kosten jeder Transaktion dar. Er ist in den Geld- und Briefkursen enthalten und wird bei jedem Ein- und Ausstieg fällig. Die Kommission wird, sofern vorhanden, von der Plattform explizit angegeben und auf Basis des Handelsvolumens berechnet. Slippage, wie im vorherigen Artikel dieser Reihe erläutert, ist die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Ausführungspreis. Sie variiert und hängt von den Marktbedingungen sowie der Geschwindigkeit der Plattforminfrastruktur ab.
Die drei Kostenarten wirken unabhängig voneinander, aber kumulativ. Spread, Slippage und Kommission können gleichzeitig bei einem Trade anfallen. Ein Trader, der nicht alle drei Kostenarten berücksichtigt, hat verzerrte Erfolgserwartungen.
Warum Transparenz bei der Wahl einer Plattform wichtig ist
Schließlich ist der Spread eines der wichtigsten Kriterien bei der Bewertung einer Handelsplattform. Eine Plattform mit transparenter Ausführung zeigt den Spread in Echtzeit an, hält ihn unter normalen Marktbedingungen stabil und weitet ihn nicht künstlich außerhalb von Phasen echter Volatilität aus.
Plattformen, die den Spread manipulieren und ihn ohne entsprechende Anpassung an die realen Marktbedingungen erhöhen, verteuern die Trades auf intransparente Weise. Dies schmälert unmerklich die Ergebnisse, insbesondere für Vieltrader. Ein transparenter Spread ist daher genauso wichtig wie eine Ausführung ohne Chartmanipulation. Beides entscheidet darüber, ob das Handelsumfeld fair oder strukturell benachteiligend ist.
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